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Kreuzgelenke bei US-Cars: 1310, 1330, 1350 und Conversion-Joints

Kreuzgelenke bei US-Cars: Nicht nur die Marke entscheidet

Kreuzgelenke bei US-Cars sind ein kleines Bauteil mit großer Wirkung. Wer an klassischen US-Cars, Hot Rods oder Drag-Racing-Fahrzeugen arbeitet, kennt das Problem: Das vorhandene Kreuzgelenk sieht auf den ersten Blick passend aus – aber beim Nachmessen stimmen Kappendurchmesser, Gesamtbreite oder Sicherungsart plötzlich nicht mit dem vermeintlich originalen Fahrzeug überein.

Das ist bei Chevrolet, Ford und Mopar keineswegs ungewöhnlich. Gerade nach einem Getriebe-, Kardanwellen- oder Hinterachs-Swap wurden und werden häufig sogenannte Conversion- oder Combination-U-Joints eingesetzt. Diese Kreuzgelenke sind bewusst asymmetrisch aufgebaut und verbinden zwei unterschiedliche Gelenkserien miteinander.

Symmetrisches oder asymmetrisches Kreuzgelenk?

Ein normales, symmetrisches Kreuzgelenk hat in beiden Achsrichtungen dieselben Abmessungen. Alle vier Lagerkappen haben also in der Regel den gleichen Durchmesser und die Breite des Kreuzes ist in beiden Richtungen identisch.

Bei einem Conversion-Joint ist das anders. Hier können jeweils zwei gegenüberliegende Lagerkappen andere Durchmesser oder eine andere Einbaubreite haben. So lässt sich beispielsweise eine vorhandene Kardanwelle mit einer größeren Hinterachs-Pinion-Yoke kombinieren, ohne die komplette Welle umbauen zu müssen.

Typische Beispiele sind:

  • 1310 auf 1350
  • 1330 auf 1350
  • Ford 1330 auf eine größere Ford-Pinion-Yoke
  • Mopar 7260 auf 7290
  • Mopar 7290 auf 1350
  • GM 3R/S44 auf Spicer-Serien

Deshalb sollte man ein unbekanntes Kreuzgelenk niemals nur anhand von Fahrzeugmarke, Baujahr oder Hinterachse bestellen. Bei einem 50 Jahre alten Muscle Car kann längst eine andere Kardanwelle, ein anderes Getriebe oder eine andere Hinterachse verbaut sein.

Kreuzgelenke bei US-Cars richtig messen

Für eine sichere Identifikation sollten mindestens folgende Punkte geprüft werden:

  1. Kappendurchmesser aller vier Lagerkappen messen.
  2. Breite des Kreuzgelenks in beiden Richtungen messen.
  3. Prüfen, ob die Sicherung über Outside Snap Rings oder Inside Snap Rings erfolgt.
  4. Kontrollieren, ob jeweils zwei gegenüberliegende Seiten unterschiedliche Maße besitzen.

Geläufige Kreuzgelenkgrößen bei Chevrolet, Ford und Mopar

Serie / TypKappendurchmesserBreite ca.Typische Anwendung
Spicer 13101.062″ / ca. 27,0 mm3.219″ / ca. 81,8 mmGM, Ford, leichte Pkw- und Street-Anwendungen
Spicer 13301.062″ / ca. 27,0 mm3.625″ / ca. 92,1 mmhäufig Ford, größere Pkw und leistungsstärkere Anwendungen
Ford 1330 Big Cap / Conversionteilweise 1.062″ / 27,0 mm und 1.125″ / 28,6 mmca. 3.625″ / 92,1 mmFord-Pinion-Yokes, Ford 9″, Conversion-Anwendungen
Spicer 13501.188″ / ca. 30,2 mm3.625″ / ca. 92,1 mmPerformance, Drag Racing, Ford 9″, Dana und verstärkte Antriebsstränge
Mopar 72601.078″ / ca. 27,4 mmca. 3.250″ / 82,6 mm über die Kappenkleinere klassische Chrysler/Dodge/Plymouth-Anwendungen
Mopar 72901.125″ / ca. 28,6 mmca. 3.625″ / 92,1 mmBig Block, 8¾“, Dana und stärkere Mopar-Anwendungen
Mopar 7260/7290 Conversion27,4 mm auf einer, 28,6 mm auf der anderen Achseunterschiedlich je AchseUmbau zwischen kleiner Kardanwelle und großer Mopar-Yoke
1310/1350 Conversion27,0 mm / 30,2 mmca. 81,8 / 92,1 mmhäufig bei Hinterachs- oder Kardanwellen-Swaps
1330/1350 Conversionca. 27,0 mm / 30,2 mmoft ca. 92,1 mm in beiden RichtungenPerformance-Umbauten mit vorhandener 1330er Kardanwelle

Hinweis: Die Tabelle zeigt typische Nennmaße. Es existieren hersteller- und anwendungsspezifische Varianten. Besonders bei GM findet man zusätzlich Serien wie 3R/S44 mit anderer Sicherungsart. Deshalb immer das vorhandene Bauteil und die Yokes nachmessen.

Warum Conversion-Kreuzgelenke so häufig sind

Ein typisches Beispiel ist ein Muscle Car, das ursprünglich mit einer kleineren Hinterachse ausgestattet war und später eine Ford 9″, Mopar 8¾“ oder Dana-Achse erhalten hat. Die vorhandene Kardanwelle besitzt dann möglicherweise weiterhin eine 1310- oder 1330-Aufnahme, während die neue Pinion-Yoke bereits für 1350 oder eine große Mopar-Serie ausgelegt ist.

Statt sofort eine neue Kardanwelle anzufertigen, kann ein asymmetrisches Conversion-Kreuzgelenk beide Seiten verbinden. Technisch funktioniert das bei passenden Belastungen sehr gut. Bei hohen Leistungen sollte jedoch geprüft werden, ob nicht eine durchgängig größere Gelenkserie die bessere Lösung ist.

HD-Kreuzgelenke bei US-Cars ohne Schmiernippel

Abschmierbares Kreuzgelenk gegen Solid-Body-HD-Kreuzgelenk

Bei leistungsstarken Straßenfahrzeugen und besonders im Drag Racing werden häufig Solid-Body beziehungsweise Non-Greasable U-Joints eingesetzt. Diese Kreuzgelenke besitzen keinen Schmiernippel und normalerweise auch keinen durchgehenden Schmierkanal im Kreuzkörper.

Das hat einen wichtigen Vorteil: Der massive Kreuzkörper wird nicht durch die Bohrung für die Schmierung geschwächt. Deshalb sind hochwertige geschlossene HD-Kreuzgelenke von Herstellern wie Dana/Spicer, Strange, Mark Williams oder vergleichbaren Motorsportanbietern bei stark belasteten Antriebssträngen üblich.

Für einen leistungsstarken Doorslammer ist beispielsweise die 1350-Serie eine sehr verbreitete Größe. Bei noch extremeren Anwendungen werden auch 1480er Systeme eingesetzt. Entscheidend ist allerdings, dass nicht nur das Kreuz selbst, sondern auch Slip Yoke, Kardanwelle, Weld Yoke und Pinion Yoke für dieselbe Belastung ausgelegt sind.

Unser Praxistipp

Wenn die Herkunft einer Kardanwelle oder Hinterachse nicht hundertprozentig bekannt ist, sollte man das alte Kreuzgelenk ausbauen und vermessen. Besonders wichtig: alle vier Kappen messen. Zwei unterschiedliche Kappendurchmesser sind ein deutlicher Hinweis auf ein Conversion-Gelenk.

Gerade bei Ford-9″-Achsen, Mopar-8¾“-Umbauten und GM-Getriebeswaps trifft man solche Kombinationen regelmäßig an. Die wenigen Minuten mit dem Messschieber sparen falsche Bestellungen – und können bei einem leistungsstarken Fahrzeug verhindern, dass ein zu kleines Kreuzgelenk zum Schwachpunkt des gesamten Antriebsstrangs wird.

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