Welches Motoröl für meinen US V8

Es gibt die unterschiedlichsten Meinungen zu diesem Thema. Ich versuche hier mal etwas Licht ins Dunkle zu bringen. Was bedeutet eigentlich SAE 20W50 und diese komischen Zeichen auf der Öldose?
Warum Vollsynthetisches Öl oder auch nicht?

Was ist ein synthetisches Öl?

Der Buhman überhaupt in vielen Diskussionen ist “Synthetisches Öl”.

Das ist der größte Dreck, ich nehme nur Erstraffinat mineralisch unlegiert

Genauer betrachtet sind heute fast alle Motoröle synthetisch und dies aus gutem Grund. Mit einem synthetisch hergestelltem Motoröl ist eine erheblich bessere Schmierleistung zu erreichen.

Die “modernen” V8 Motoren aus den US Cars ab Mitte der 50er Jahre haben alle einen Ölfilter und können Synthetisches Motoröl gut gebrauchen. Allerdings muss man dabei beachten wie weit die Verschmutzung des Motors bereits fortgeschritten ist. Alte Motoren mit hoher Laufleistung die in den USA viel gefahren wurden, neigen zu Ölkohle-Ablagerungen.

Die Amerikaner haben bis heute eine wesentlich schlechtere Ölqualität im Handel als wir. Die “guten” Öle aus den USA haben eher die Qualität die wir hier im Baumarkt bekommen. Diese Ablagerungen werden durch “teure” Performance Öle gelöst. Das führt im Anfang oft zum klappern der Hydrostössel und auch gerne mal zum Motorschaden.

Bei diesen Motoren sollte man einfach den Vorbesitzer fragen was er benutzt hat und versuchen bei dieser Ölsorte zu bleiben. Dann bleiben hoffentlich die Ablagerungen da wo Sie sind.

Als Kompromiss kann ich hier sonst nur Castrol Classic Oldtimer-Öl empfehlen. Da sind nur wenige schlacke-lösende Additive enthalten.

Wer statt dessen versucht mit einer “Motorwäsche” über einen Ölzusatz die Ablagerungen aus dem Motor zu bekommen der kann gleich mal einen Termin bei einem Motorenbauer seines Vertrauens machen.

Auf meine Frage an einen renommierten US Motorenbauer, welches Öl ich in den neuen 30.000$ Motor schütten soll, kam folgende Antwort:

Nimm einfach ein Öl was nicht schäumt

Pat Musi Racing Engines

Ölqualität API

Auf den meisten Öldosen steht unter anderem eine Qualitätsbezeichnung die sich API nennt. Diese Spezifikation ist ein erster guter Hinweis auf die vorhandene Qualität des Motoröls.

Das American Petroleum Institute hat diese Klassifizierung in den 50er Jahren eingeführt und stuft die Ölqualität in zwei Hauptklassen ein.

API Service Klassen S

  • SA: Unlegierte Öle
  • SB: Öle mit Zusätzen für den Alterungsschutz und Antiverschleiß-Additiven
  • SC: Öle dieser Klasse deckten 1964-67 die Anforderungen der amerikanischen Motorenhersteller ab (aha)
  • SD: Für US-Fahrzeuge der Baujahre 1968-71 (auch schön zu wissen)
  • SE: Verbessertes SD für die Baujahre 1972 bis ca. 1980 (na fein)
  • SF: Verbesserter Schutz gegen Oxidation, Verschleiß, Ablagerungen und Korrosion entsprechend den Anforderungen der US-Motorenhersteller ab 1980
  • SG: Seit März 1988 gültig mit erhöhten Anforderungen bezüglich Alterung und Kaltschlamm (hui nichts für alte Motoren siehe oben)
  • SH: Seit 1993 gültig. SH-Öle müssen die vorgeschriebenen unterschiedlichen Testprozeduren unter strengen, kontrollierten Bedingungen bestehen
  • SJ: Seit 1996 gültig. Gegenüber SH geringerer Phosphorgehalt, geringere Verdampfungsneigung, höhere Alterungsstabilität

API Commercial – Klassen C

  • CA: Vorzugsweise für Dieselmotoren mit geringer Belastung entsprechend MIL 2104A aus dem Jahr 1954
  • CB: Für mittlere Belastung entsprechend MIL 2104A Supplement 1
  • CC: Für mittlere Belastungen entsprechend MIL 2104B aus dem Jahre 1961
  • CD: Öle für schwere Belastungen entsprechend MIL 2104C
  • CE: Für Pkw- und Nutzfahrzeug-Dieselmotoren in Europa ohne Bedeutung
  • CF: Wie CD, jedoch sind die Testprozeduren mit Prüfmotoren der neuen Generation aufgebaut

Diese Tabelle hilft doch schon mal die Bösen aussortieren. 😉
Alles was unterhalb von SD liegt sollte man nicht verwenden.

Motoröl Klassifizierung nach SAE

Die Society of Automotive Engineers (Vereinigung der US Autoingenieure) hat eine Beurteilung der Fließeingenschaften durchgeführt und diese in SAE-Klassen eingeteilt.

15W40 oder 20W sind die Klassenbezeichnungen für diese Fließeingenschaften (Viskosität). Hierbei wie zwischen zwei Hauptgruppen unterschieden. Mehrbereichsöle sind alle Öle die mehrere Viskositätsklassen erfüllen also zum Beispiel SAE 15W-40.

Einbereichsöle erfüllen dagegen nur eine Klassifizierung. Als Beispiel SAE 20.

Bei den Viskositätsklassen bedeutet je größer Zahl um so zäher fließt das Öl. Also SAE 30 braucht länger um sich beim Kaltstart im Motor an die wichtigen Stellen zu verteilen. Je kleiner die Zahl ist um so schneller fließt das Motoröl im Motor.

Bei Mehrbereichsölen ist in der Bezeichnung ein W für Winter. Die erste Zahl zeigt hier die Viskosität bei Kälte. Je niedriger diese Zahl ist umso schneller fließt das Öl bei kaltem Wetter. 0W40 hat also im Winter erhebliche Vorteile gegenüber 15W40. Die Bezugstemperatur für die Messung liegt hier bei ca. -5 bis -30°C je nach Klasse.

Die zweite Zahl beschreibt die Viskosität bei 100°C. Also bei SAE30 ist die Fließeigenschaft gleich zäh wie bei 5W30. Der Ölfilm bleibt stabil und verkraftet höhere Temperaturen. 50 ist also besser als 30.

Mineralöle gehen bei Temperaturen von über 150° langsam kaputt, hier sollte ein kurzer Wechselintervall gewählt werden. Synthetische Öle können Temperaturen bis 300°C verkraften und halten somit auch länger.

Die Auswahl

Damit fällt die Auswahl schon erheblich leichter. Die oben genannte Aussage trifft also schon den Kern der Sache. Die zum Kauf angebotenen Öle sind durchweg für US V8 1959 – 1999 geeignet. Ein Mehrbereichsöl ist nicht notwendig da wir ja die Fahrzeuge selten in einer Umgebungstemperatur von unter 10 Grad bewegen.

Bei der Viskosität ist noch zu beachten, dass eine höhere Viskosität auch das Ölpumpensystem stärker beansprucht. Bei einem 60er Öl kann gerne mal das Antriebsritzel abscheren weil mal das Motoröl nicht vor dem hochdrehen des Motors genug aufgewärmt hat. Genauso werden der Benzinverbrauch und die Motorleistung durch zähes Öl beeinflusst.

Ein SAE 15W40 oder SAE30 mit SG Spezifikation ist für einen Motor unterhalb der 100.000 km Marke eine gute Wahl.

Bei Motoren mit 200.000 km oder mehr kann ein SAE50 oder 20W60 den Öldruck auch schon mal wieder “retten” und evtl. Klappergeräusche mildern.

Warum kein 0W30?
Hm eigentlich wäre das ja toll. Im Kaltstart läuft das Öl überall schnell hin. Aber bei den US V8 wird bei der Schmierung der Nockenwelle nur das umherspritzende Öl verwendet. Fließt dieses Öl zu schnell wieder ab, kann sich kein belastbarer Ölfilm bilden. Der Motor braucht hier etwas zähflüssiges was kleben bleibt.

Letzten Endes wird aber eine Schädigung des Motors nur eintreten wenn andere Faktoren vernachlässigt werden. Solang das Motoröl nicht “schäumt” (besser als API SC) ist es für einen Schaden nicht die Ursache.

Was genau ist nun das Richtige Öl für mein KFZ?

Klare Empfehlung -> Vor allem bei noch laufender Garantie!

Nur das vom Hersteller freigegebene Motoröl verwenden!

PS: Ölqualitäten unterhalb von SC sind nicht akzeptabel und nur für Vorkriegsmodelle geeignet. Die meisten unlegierten Öle haben keinerlei Notlaufeigenschaften.

Am Öl kann es nicht gelegen haben;

… war ja keins drin 🙂

Sonst noch was?

  • Kann man die Ölsorte mischen?
    .. können schon aber lieber nicht. Bei Mengen unter 5% kann auch mal das falsche Öl nachgefüllt werden. Aber dann bitte den nächsten Ölwechsel vorziehen.
  • Beschädigt Getriebeöl mein Motor?
    …puh also wenn du da echt Getriebeöl eingefüllt hast dann schnell raus damit. Obwohl wir auf dem Prüfstand das mal mit Erfolg getestet haben. ATF Dextron 2 hat tatsächlich den Ölfilm eines schwach belasteten Motors gut her gebracht. Abgesehen davon natürlich das es qualmt und den Katalysator zerstört(falls einer an Bord ist).
    Übrigens ist der Motor nach einer solchen Qual von innen schön sauber. 😉

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*

Folgen

Wir benachrichtigen dich über jeden neuen Post.

Join other followers: